Retro und so weiter

Was ist Retro? Das Spiel oder der Film aus den 80ern? Die damalige Mode? Die Erinnerungen? Welche Bedeutung haben diese Elemente, allgemein und persönlich? Oder ist es nur ein verklärtes Schwelgen in Erinnerungen?

Als ich vorgestern durch mein Filmarchiv von EyeTV stöberte (und dies ist zweifellos ein eher modernes Programm, was ich auf keinen Fall missen möchte), fand ich wieder einmal Rambo, in erster bis dritter Auflage, irgendwann aus dem TV-Programm aufgezeichnet. Ist dies bereits Retro? In gewissem Sinne sicherlich, und am meisten verbinde ich damit den zweiten Teil, Rambo II – Der Auftrag.

Es muss ca. 1988 gewesen sein, als ich diesen Film im Kino gesehen habe. Wer nun scharf nachrechnet, wird feststellen, dass ich zu der Zeit noch nicht die dafür notwendige Altersgrenze von 16 Jahren erreicht hatte. Das ist zweifellos richtig, und damals war ich letztlich stolz darauf. Die Hintergründe lesen sich wie aus dem Poesiealbum – mein Cousin und ich waren für ein paar Tage zu Besuch bei unseren gemeinsamen Verwandten, Tante und Onkel in der schönen ländlichen Kleinstadt. Einen Abend hatten beide frei, und so fuhren wir vier erstmal ins Kino. Und natürlich entschieden wir uns schnell für Rambo II – ich kann mich nicht mehr erinnern, ob diese Entscheidung einstimmig getroffen wurde, aber wir wollten in diesen Film. Doch dafür fehlte mir genau genommen ein Jahr. Aber entweder die Kassiererin schaute nicht wirklich hin oder drückte ein Auge zu, ausserdem waren wir natürlich in Begleitung zweier Erwachsener, und so flimmerte bald der Action-Streifen über die Leinwand. Und natürlich übte nicht nur der Film an sich, sondern auch die Tatsache, dass ich mir diesen ohne Legitimation meines Alters ansehen konnte, einen nicht zu unterschätzenden Reiz aus. Doch vielleicht bleibt deshalb dieser Abend in schöner und ewiger Erinnerung. Vielleicht weiss ich morgen nicht mehr, was ich vor drei Wochen programmiert habe, in welchem Modul ich mich befand und mit welchen Kollegen wir in welchem Meeting welches Thema diskutiert haben. Aber von jenem Abend, in dessem Verlauf wir noch eine Pizzeria besucht haben, in der ich die wahrscheinlich schärfste Pizza meines Lebens gegessen habe, werde ich auch in den nächsten Jahrzehnten nicht vergessen haben. Und die Heimfahrt, Tina Turner im Radio – “Private Dancer”. Noch heute bin ich dankbar für diesen Abend, der vor einiger Zeit wieder einmal zur Sprache kam. Und wenn nun – auf welchem Medium auch immer – Rambo II flimmerfrei auf dem Display gezeigt wird, sehe ich diesen Film auch ein wenig wie damals, als alles anders, manches – zumindest aus der Entfernung betrachtet – schöner, anderes hingegen weniger optimal war. Und als Menschen, die einem grenzenlos viel bedeuteten, noch da waren.

Ich könnte die Geschichte fortsetzen mit Computerspielen auf dem 64er, der Charme der Pixel mit dreistimmigem Sound wird von keiner Wii, Playstation III oder erst recht keinem Ego-Shooter auf dem PC mit Ultra-Spielegrafikkarte und 3D-Beschleunigung mehr erreicht. Dafür ist keine realitätsgetreue Abbildung nötig, die Idee und Umsetzung ist entscheidend. Dann reicht auch das zweidimensionale Scrolling und viel wichtiger – der stabile Joystick. Und wenn es sein muss, so gibt es glücklicherweise sehr gute Emulatoren. Um Missverständnissen vorzubeugen – ich möchte nicht den technischen Fortschritt missen, weder das Internet, Social Networks, WLAN, MP3-Player, oder Notebooks, die höhere Kapazitäten aufweisen als damalige Grossrechner. Und ob es aktuelle Gadgets sind, die zu speziellen Momenten und somit bleibenden Erinnerungen führen, oder eben vergangene Erlebnisse, ist ebenfalls nahezu irrelevant. Was zählt, das bleibt. Irgendwie damals, jetzt, und sicherlich auch morgen noch. Übermorgen ist es bereits wieder “retro”. Und oft mit warmen, wohligen Empfindungen verbunden.

Für ein Fazit reicht dieser Text nicht aus, darüber hinaus ist bereits viel über Retro formuliert, geschrieben und gesendet worden. Nicht umsonst gibt es jene Retro-Wellen, die die Jahrzehnte Revue passieren lassen. Statt dessen könnte ich gleich den C=64-Emulator starten und auf die ersten Programmierversuche in Basic zurückblicken. Und gleich danach die neue Faceook-API mit Python und JavaScript verwenden. Denn irgendwie passt es am Ende doch wieder zusammen.

PS. Dieser Text entstand mit Google Docs in der “Cloud”. Sind Desktop-Textverarbeitungen inzwischen bereits “retro”?

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