Was würde ich tun?

Was würde ich tun, wenn ich nicht der wäre, der ich bin? Wenn ich mit nicht seit der Teenager-Ära mit Computern beschäftigt hätte? Wenn ich keinen MC-10, keinen C-128, keinen PC gehabt hätte? Wenn ich nicht „Mondbasis Alpha 1“, „Ein Colt für alle Fälle“, „Knight Rider“ gesehen hätte?

Wenn nicht der damals mehr als suboptimale Zufall es gewollt hätte, dass ich mit neun Jahren aus einem Dorf in eine Kleinstadt gekommen wäre? Wenn ich direkt in der Großstadt aufgewachsen wäre? Wenn ich mich mit frisierten Mofas anstatt Assembler-Programmierung des C64 beschäftigt hätte? Wenn meine Bahn weniger aus Umwegen bestanden, dafür eher schief gewesen wäre? Wenn ich mich nachts an der Tankstelle herum getrieben hätte? Wenn ich Kneipenbesuche der heimatlichen Beschäftigung mit Bits und Bytes vorgezogen hätte? Wenn ich nicht irgendwann festgestellt hätte, seit geraumer Zeit in mehreren Welten zu leben?

Ich sehe wieder einmal das Video „Ride“ von Lana Del Rey in der Langfassung auf dooloop.tv. Jene Darstellungen bringen mich ins Grübeln. Mit welchem Preis ist Freiheit bemessen? Wäre die Straße mein Leben? Anstatt ein notwendiges Übel, um von A nach B zu gelangen?

In den letzten Monaten bin ich viel gefahren. Schnell gefahren. Lange gefahren. Ein permanenter Kampf gegen die Zeit, auch mit Höchstgeschwindigkeit ohne Aussicht auf Gewinn. Und der Unterschied ist marginal. Ich liebe mein Navi. Eine Wette auf die Zeit. Muss es dunkel sein, um wild zu sein? Ist es notwendig, nachts barfuß durch die Stadt zu laufen, um verrückt zu sein?

Vor kurzem feierten wir 20 Jahre Abi – der Abend war sehr schön und nicht minder interessant. 20 Jahre ist es her, wir waren ca. 111 mehr oder minder enthusiastische junge Leute in jener Kleinstadt, die uns ins Leben entließ, inklusive Reifezeugnis. Was wäre, wenn ich andere Wege eingeschlagen hätte? Wäre es mir anders ergangen? Wie wäre es mir ergangen? Ich habe viele, wenn nicht gar glückliche, dann zumindest zufriedene Leute gesehen. Ich habe von Schicksalen gehört, mit denen ich nie gerechnet hätte. Einige Erwartungen wurden bestätigt, andere wiederum völlig zunicht gemacht. Mitunter bedauerlich, mitunter nicht verwunderlich.

Doch wann werden Entscheidungen getroffen, die alles verändern? Werden sie getroffen oder sind sie einfach da? Ganz plötzlich? Ist es nur eine Frage der Zeit, bis man es sich eingesteht? Bis die eigene Sicht die Realität verwischt, bildet, modelliert? Jederzeit. Es wird Zeit.

Ich habe es gesehen. Ich habe viel gesehen.

Mein Name ist Ralf Geschke.

Ich habe gewählt. Ich bin ambivalent. Ich bin stringent. Ich bin ein Nerd.

Und das ist gut so.

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