Die Lehre von Wargames

Die 80er waren ein gutes Jahrzehnt für Filme. Zunächst 1982 Tron, und ein Jahr später folgte „Wargames„. Dieser Film dürfte einigen Anteil daran haben, dass ich LCDs und LEDs nach wie vor faszinierend finde, vor längerer Zeit einmal einen Artikel im Linux Magazin über die Ansteuerung eines seriellen LCD-Displays geschrieben und mittlerweile die beiden Server jena und dresden im Keller mit LCD-Displays ausgestattet habe. Dank USB und LCD4Linux ist deren Konfiguration jedoch um einiges einfacher als die eigenen Perl-Skripte von damals.

Wenngleich die technischen Aspekte von Wargames faszinierend waren, so spielen doch die sozialen eine nicht minder wichtige Rolle. Nach dem bekannten Schema des Handlungsverlaufes und nachdem alle Simulationen durchlaufen worden sind, hat die Maschine dank Implementierung von künstlicher Intelligenz etwas gelernt. Und zwar, dass es in diesem speziellen Fall die beste Strategie darstellt, das Spiel gar nicht erst zu beginnen. Ansonsten folgt auf die initiale Aktion eine folgenschwere Reaktion, das ganze wiederholt sich, und man bewegt sich im Kreis. Immer wieder. Bis zum meist sehr bitteren Ende. Die einzig sinnvolle Strategie ist, nicht zu spielen. Nichts zu tun. Möglicherweise anfänglich widerstrebend den eigenen Interessen.

Während das Paradigma der Abschreckung genau so funktioniert und gleichgültig der eigenen Auffassung darüber der Welt bis dato einen nuklearen Krieg erspart hat, ist es in unzähligen Bereichen extrem schwer, Sinnlosigkeit zu erkennen respektive daraus Lehren zu ziehen und – eine Ebene weiter – danach zu handeln.

Eine Strategie ist definiert als Weg zur Erreichung eines Ziels. Langfristig geplantes Verhalten, um vom Ist- zum Soll-Zustand zu gelangen. Als Basis dient die Veränderung, im Verlauf bzw. am Ende eines Prozesses soll ein Ergebnis erreicht werden. Dieses Streben nach Fortschritt ist uns sprichwörtlich in die Wiege gelegt und somit konträr dazu, nicht zu handeln.

Glücklicherweise enden die meisten Diskrepanzen heutzutage nicht in einem Weltkriegsszenario, auch wenn die Konsequenzen aus persönlicher Perspektive eventuell ein ähnliches Ausmaß darstellen. Zudem gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass das Spiel bereits begonnen wurde und man sich mittendrin befindet. Umso schwerer fällt es, die Sinnlosigkeit zu erkennen, und sich in der darauf folgenden Handlung auf diese Erkenntnis zu berufen. Denn vielfach wird Aufgeben als Resignation gedeutet, Abschied als negativ aufgefasst, oder die Beugung vor dem Schicksal als Mangel eigener Kraft und Initiative interpretiert.

Teilweise stimmt dies durchaus. Doch zeugt es nicht auch von einer intelligenten Handlungsweise, anstatt permanent mit Wänden zu reden oder sich dagegen zu werfen, die nächste Tür zu nehmen? Einen Ausweg zu finden, selbst wenn dies bedeutet, einen Umweg zu gehen. Veränderung als Chance für einen Neuanfang begreifen. Sinnlosigkeit erlernen, eine Entscheidung treffen, auch wenn diese unwillkürlich zunächst mit Aufwand oder gar Schmerzen verbunden ist. Der Volksmund bezeichnet dies intuitiv mit „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“.

Ich bin nach wie vor ein gnadenloser Optimist. Ich glaube an den Fortschritt, an die Wissenschaft, an die Lernfähigkeit und -willigkeit von Menschen. Manchmal möchte man auch mit dem Kopf durch die Wand, obwohl dies unmöglich ist. Und noch seltener scheint dies sogar zu funktionieren – wenigstens temporär. Demgegenüber vermeide ich puren Opportunismus. Vielleicht ist es jedoch an der Zeit, sich von den Resultaten von Wargames inspirieren zu lassen. Auch wenn der konsequente Einsatz jener Lehren im täglichen Kampf schlicht und einfach hart ist.

Was will dieser Text aussagen? Handelt es sich um ein Plädoyer für die Kapitulation? Befürwortet er, sich den Weg des geringsten Widerstandes zu suchen? Entscheidet selbst! Fragt nach, denkt nach, und lernt!

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