Der Sturm nach dem Sturm…

…und die Renaissance des Radios

Wenn eine Arbeit oder ein Projekt beendet ist, stellen sich unterschiedliche Stimmungen und Gefühle ein. Künstler thematisieren häufig die Leere nach einem erfolgreichen Konzertauftritt, vor wenigen Minuten vom Publikum gefeiert, plötzlich allein in der Garderobe sitzend. Zumindest falls keine exzessiven Feierlichkeiten folgen.

Nun, ich halte mich nicht für einen Künstler, aber die Emotionen unterscheiden sich nur marginal, wenn überhaupt. Und für ausschweifende Partys ist es momentan noch zu früh. Vor wenigen Tagen bin ich mit einer Arbeit fertig geworden. Nun habe ich wieder Zeit.

Zeit.
Zeit!
Zeit?

In den letzten Monaten habe ich mich ausschließlich mit einem Thema beschäftigt. Dies führte zwangsläufig zum Verzicht der gewohnten Tätigkeiten. Insbesondere was die Gestaltung der Abende und Wochenenden betraf. Was macht man nach einem anstrengenden Tag im Büro? Worauf freut man sich an einem Freitagabend, wenn eine weitere Arbeitswoche beendet ist?

Zeit zu haben. Zeit für diejenigen Sachen, die liegen geblieben sind. Oder um einfach zu entspannen, um nicht viel nachdenken zu müssen. Vielleicht verbringt man auch die eine oder andere Minute vor dem Fernseher. Oder man schläft endlich mal wieder richtig aus. Nach durchschnittlich dreieinhalb bis vier Stunden Schlaf in den letzten Wochen wäre dies gar keine so schlechte Idee…

Ich habe immer gerne die Krimireihe „Tatort“ gesehen. Zwar mit unterschiedlichen Präferenzen in Bezug auf die Darsteller, aber grundsätzlich stellt dieses Format einen Grund dar, weshalb ich nicht auf die öffentlich-rechtlichen Sender verzichten möchte.

Eine Folge „Tatort“ dauert eineinhalb Stunden. Am Freitagabend waren es gefühlte vier. Nicht, dass die Sendung schlecht gewesen wäre, im Gegenteil. Nur wollte sich die erwartete Entspannung einfach nicht einstellen. Schon eher etwas, was ich als Langeweile skizzieren würde.

Zu viele Gedanken, zu viel Zeit, zu viel und zu wenig Ablenkung zugleich. Und das Fernsehen erfordert die gesamte Aufmerksamkeit eines Massenmediums. Ohne Interaktivität bleibt die Passivität als einzig mögliche Tätigkeit.

Da mag es fast ironisch klingen, dass ich während der letzten Wochen die Entspannung vermisst habe. Endlich einmal wieder eine Sendung vom Anfang bis zum Ende sehen. Nicht unterbrechen wegen des schlechten Gewissens, oder einfach aufgrund von Müdigkeit.

Dennoch ist es für mich momentan mindestens ebenso entspannend, aber wesentlich weniger sinnlos und leer, diese Site auf einen anderen Server umzuziehen. Oder das heute (d.h. gestern) gelieferte Buch über Social Web Design zu lesen. Und hinterher noch ein anderes. Oder sich mit denjenigen Themen und Ideen zu beschäftigen, die in den letzten Wochen aufkeimten, aber liegen bleiben mussten. Damit die Leere erst gar nicht aufkommt. Einfach weiter.

Währenddessen kann man sogar ein anderes Massenmedium genießen. Radio! Ich habe in den letzten Jahren zugegebenermaßen sehr wenig Radio gehört. Inzwischen begleitet es mich wieder auf jeder Autofahrt sowie hier am Rechner. Unterwegs per UKW, ansonsten per Streaming aus dem Internet. Letzteres sogar mit dem Mehrwert von Informationen zum jeweils gespielten Titel. Eine sinnvolle Symbiose aus alten und neuen Medien! Nur sollte der Adserver vielleicht erneut konfiguriert werden, denn tönende Flash-Werbung passt einfach nicht zum Radio-Stream… Reload vonnöten!

Reload ist ein gutes Stichwort. Der eigene Reload. Nicht den Cache leeren und daraufhin keine neue Seite aufrufen. Sondern eine neue URL eingeben, neue Texte, neue Bilder, neue Inhalte. Neue Ambitionen und neue Emotionen. Eine seltsame Zeit endet, und eine neue, noch seltsamere, beginnt.

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