Nostalgischer Neustart

Ein neuer Start, ein Relaunch? Nein, nicht schon wieder. Dieses Blog soll nun erst einmal ein wenig blühen und gedeihen, auch wenn ich inzwischen wieder einige Wochen hier nichts geschrieben habe. Doch in gewissem Sinne waren die letzten Wochen eine Art Neustart für mich – das liegt zum einen an der neuen Arbeitsstelle, und zum anderen an der dort vorherrschenden und für mich neuen Programmiersprache Ruby. Genau genommen wird das Web-Framework Rails eingesetzt – was auch sonst..?

Vor einiger Zeit habe ich mich zwar bereits mit Ruby und der damaligen Rails-Version beschäftigt, aber das ist wirklich lange her. Noch länger her ist die initiale Entwicklung von PHP, denn diese Programmiersprache, mit der ich mich vermutlich die meiste Zeit meines Entwickler-Lebens beschäftigt habe, wurde letzte Woche genau 20 Jahre alt. Insofern erstmal – Happy Birthday, PHP!

Und nach 20 Jahren kann man schon fast von einer gewissen Historie oder auch Nostalgie sprechen. Da komme ich mir fast vor wie ein PHP-Opa, -Veteran oder ähnliches, wenn ich mich an die ersten Gehversuche erinnere. Zwar habe ich die erste Zeit von PHP (Personal Home Page Tools) als Skriptsammlung oder der zweiten in C-geschriebenen Fassung PHP/FI nicht aktiv mit erlebt, jedoch begann meine PHP-Zeit mit der Version 3, die ab 1997 entwickelt wurde. Im Frühjahr 1998 hörte ich zum ersten Mal davon. Es war zu der Zeit, als ich als studentische Hilfskraft hauptsächlich mit Perl programmiert habe. Die Ergebnisse würde ich heute zwar nicht mehr lesen können, aber es entstanden einige kleinere und größere Perl-Skripte, soweit ich mich erinnere, sogar bereits objektorientiert, die beispielsweise ziemlich viele Umfragedaten in andere Formate und Datenbanken konvertierten. Eines Abends – oder Tags, aber abends klingt irgendwie besser, man stelle sich eine Gruppe von Studenten im Schein des Lagerfeuers vor, Codes zitieren… nein, ich schweife ab. Also eines Abends erzählte ein damaliger Kollege von einer anderen Sprache namens PHP, mit der sich dynamische Websites viel leichter realisieren lassen würden. Von Web-Anwendungen, Web 2.0 oder ähnlichem sprach damals noch niemand. Ich muss zugeben, anfangs meine Schwierigkeiten mit dem Konzept gehabt zu haben. Entsprechend begriffsstutzig ließ ich es mir mehrfach erklären, bis ich den Kern dahinter verstanden hatte. Danach aber war mein Interesse für PHP geweckt. Es entstanden erste, kleine Skripte, oder vielmehr die üblichen Codefragmente, für die PHP auch Jahre später noch zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Schließlich war PHP eine „in HTML eingebettete Programmiersprache“…

Nach den ersten unschönen Codefragmenten und weiterem Interesse folgte die Suche nach Informationsquellen. Da sich für eine relativ neue Sprache damals nichts dergleichen fand, erst recht nicht in deutscher Sprache, und ich als SHK bereits mehrere Mailinglisten aufgesetzt hatte, entstand die Idee, dies für PHP zu versuchen – die deutschsprachige PHP-Mailingliste startete mit der obligatorischen Testmail. Informationen wurden ausgetauscht, natürlich kam es zu einigen, mitunter auch hitzigen und aus heutiger Sicht nicht mehr wirklich nachvollziehbaren Diskussionen, insgesamt erfreute sich die Mailingliste einiger Beliebtheit. Aus diesem Umfeld gründeten Björn Schotte, Tobias Ratschiller und ich die Web-Seite PHP-Center.de, eine Anlaufstelle für alle Themen rund um PHP.

Zu der Zeit arbeitete ich bei der Globalpark GmbH, die frisch gegründet worden war (heute Questback GmbH). Die erste Zeit war sehr spannend – binnen weniger Monate entwickelten wir dort eine der größten PHP-Anwendungen seiner Zeit, ich meine, es waren über 100.000 LOC in PHP, immerhin bereits mit PHP 4 und ein wenig Objektorientierung. Tatsächlich sollen gerüchteweise auch heute, mehr als 15 Jahre nach der initialen Entwicklung des zunächst OPST (Online Panel Site Tool) genannten Systems, noch Fragmente der ersten Versionen in Betrieb sein, auch manche Umfragen-URL zeugt von Beständigkeit als Relikt dieser Zeit. Was natürlich bedeuten könnte, dass wir damals einiges richtig gemacht haben – oder auch im Gegenteil, dass der Basis-Code so undurchdringbar war, dass sich niemand damit beschäftigen wollte… 😉

Wenig später wurde auch die Idee geboren, einen Kongress zum Thema PHP zu veranstalten – den PHP-Kongress 2000. So futuristisch wie das auch heute noch klingt, war auch das dazu gehörige Plakat gestaltet:

php-kongress-2000

 

Der Kongress forderte nicht wenige Ressourcen, aber er stellte letztlich die Weichen für die späteren International PHP Conference Veranstaltungen, die ab dem darauf folgenden Jahr vom Software & Support Verlag ausgerichtet wurden.

So ungefähr begann meine Zeit mit PHP, es folgten andere Jobs, andere Progammiersprachen, von Java über Python und nun Ruby, die Ausflüge zu den Exoten nicht mit gerechnet. Und PHP wurde „erwachsen“, anfangs nutzte man kaum oder nur wenige Libraries, gerade noch zur Datenbank-Verbindung oder nachdem die Erkenntnis durch gedrungen war, dass ein allzu kruder Mix von HTML und PHP nicht wirklich empfehlenswert war, Template-Engines, inzwischen steht die Framework-Welt der von Java bekannten Entwicklungen kaum noch nach. Mit der Zeit gab es auch einen Wandel der Nutzung von Medien und Informationsquellen, die anfänglich gut genutzte PHP-Mailingliste dient momentan nur noch als Archiv, ich fände es schade, sie zu löschen, auch wenn nur noch Google von Zeit zu Zeit vorbei schaut.

Nicht minder interessant ist das Netzwerk, was sich aus der PHP-Szene und deren Umfeld ergeben hat. Natürlich ist die International PHP Conference ein globaler Treffpunkt, aber zumindest im Kölner Raum hat sich eine sehr aktive User-Group-Landschaft gebildet. Dort habe ich tatsächlich alte Bekanntschaften wieder auffrischen können, oder auch neu bilden, denn teilweise „kannte“ man sich nur rein virtuell aus Mailinglisten & Co.. Oder aus der ersten Zeit bei Globalpark, somit sorgten Netzwerk und ein gewisser Zufall zur aktuellen Stelle bei der SayWay GmbH. Zwar diesmal ohne PHP, aber doch mit einem gewissen „Back to the roots“-Gedanken, gleichzeitig unter Verwendung neuer Technologien wie NoSQL-Datenbanken. Insofern passt dies genau ins Bild – ein wenig Nostalgie, aber dennoch ein Neustart. Natürlich werde ich PHP weiterhin im Auge behalten, ebenso wie JavaScript & Co., aber das sind schon wieder andere Baustellen. Und bietet Platz für weitere Anekdoten, demnächst, irgendwann…

 

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