Warum es nicht wie im Film ist

Natürlich ist das keine besonders neue Erkenntnis. Es ist nicht wie im Film. Sonst wären Filme Realität und diese würde sich nicht von der Fiktion unterscheiden. Nichtsdestotrotz im Folgenden einige Hinweise.

Im Film gibt es einen Soundtrack.

Auch wenn man es sich manchmal wünscht – das Real Life hat keinen solchen. Es spielt einfach keine Musik. Nicht während der halsbrecherischen Fahrt nach Hause, nicht während der Arbeit, und erst recht nicht in grenzwertigen Situationen, oder wenn einen nachts die Gedanken einholen. Der Protagonist vermag in einer schwierigen Lage zu sein, zu stürzen, erleidet einen Verlust oder eine temporäre Niederlage? Der Soundtrack wird es richten. Eigentlich muss man gar nicht mehr hinsehen, nur noch hören.

Im Film gibt es immer das passende Wetter.

Ein Kriminalfilm ohne Nachtaufnahme? Beinahe undenkbar. Eine Beerdigung ohne Regen? Nicht vorstellbar. Und wenn draussen Winter herrscht, handelt es sich entweder um Weihnachten oder eine gänzlich kühle Stimmung. Und “immer, immer wieder geht die Sonne auf, und wieder bringt ein Tag für uns sein Licht”. Licht aus, Spot an.

Im Film existiert keine Zeit.

Der zeitliche Aspekt ist so gut wie nicht vorhanden. Eine Situation, die unlösbar scheint, ist in den nächsten Minuten geknackt. Keine halbe Ewigkeit verstreicht, kein Warten, keine Tage vergehen, in denen kein Handeln möglich ist. Im Zeitraffer wird trainiert, spekuliert, getrauert. In Zeitlupe wird gesprungen, geschossen, ausgewichen. Keine Stunden, die wie schwarze Löcher alles in sich aufsaugen, kein Vakuum der unmöglichen Möglichkeiten. Und wenn Jahre vergehen, dann bleiben nur hoch priorisierte Momente als Time Slice sichtbar. Dazwischen existiert mehr oder minder ein Vakuum.

Im Film ist sogar IT spannend.

Der Held, alternativ Übeltäter, überwindet die Firewall? Die letzte Zeile eines umwerfenden Programms wurde erstellt? Die Lösung eines schwierigen Problems gefunden? Nicht nur, dass Musik spielt (siehe oben), sondern es passiert etwas. Wirre Grafik auf dem Bildschirm, die Zeilen fliegen nur so in die Tastatur und der Code scrollt meisterhaft animiert über mindestens drei sinnlos platzierte 24″-Displays. Das muss doch einfach spannend sein!
Alternativ Schreiben, Gartenbau, Kochen, Waschen, Einkaufen, Wohnung finden, aufräumen… Hurra.

Im Film findet irgend jemand die passenden Worte.

Ein Anruf, ein vertrauter Ton, neuerdings vielleicht auch eine E-Mail oder eine Chat-Nachricht. Aus dem Nichts taucht jemand auf, und sei es der Schurke, der zum Handeln veranlasst. Die passenden Worte zu finden scheint dabei einfach zu sein, und plötzlich fällt es einem wie Schuppen von den Augen, die Lösung liegt so nahe, warum hat man bloss nicht selbst daran gedacht? Und der Zielkonflikt ist perfekt gelöst. Genau!

Im Film werden Fehlentscheidungen sanktioniert.

Oder anders: Leute, die jene treffen, werden dementsprechend dargestellt. Sie verlieren zwangsläufig. Siehe weiter oben beim Thema Happy End. Fehler und dumme Vorgehensweisen werden als solche gezeigt, so dass sie jeder versteht. Es herrscht Transparenz, nicht nur gegenüber dem Zuschauer. Der Weg ist klar, nicht nur der des Helden. Das muss nicht in Schwarz-Weiss-Denken ausarten, aber wie oft kommt es vor, dass der Bösewicht am Ende gar nicht so schlimm ist oder gar doch gewinnt? Eben.

Im Film gibt es kein Google.

Suchmaschinen heissen anders. Ansonsten wäre es Product Placement. Dass die Versuche, Google zu verstecken, extrem lächerlich sind, weiss zwar jeder der Beteiligten, aber dennoch darf sich der Zuschauer an mitunter kreativen Namen erfreuen. Danke.

 

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