Linux-Distributions-Shootout der Alpha- und Beta-Versionen

Mitunter teste ich gerne. Das betrifft neue Software, oder solche, die sich im Beta-Stadium befindet, als auch komplette Betriebssysteme. Zuletzt Windows 7 RC, doch obwohl es für ein System aus dem Hause Microsoft erstaunlich gut lief, wollte sich angesichts der zeitlichen Beschränkung keine wahre Freude einstellen, denn es wäre eine baldige Neuinstallation fällig gewesen. Und weil Festplatten so schön preisgünstig sind, habe ich meinem Zweit-Notebook ein neues Exemplar gegönnt. 

Grund genug, mit einer Neuinstallation zu beginnen. Da die nächste Aktualisierungsrunde im Linux-Distributions-Reigen vor der Tür steht, habe ich mich für Systeme im alpha- und beta-Stadium entschlossen. Den Warnungen zum Trotz, sie seien nicht für produktiven Betrieb geeignet. Einerseits macht es einfach Spass, sich mit derartigen Systemen zu beschäftigen, erhält man doch einen Einblick in die nächste Generation der Distributionen. Zum anderen kann ich mehr mit aktueller als mit „gut abgehangener“ Software anfangen, auch wenn hier und da noch ein paar Ungereimtheiten und Bugs zu finden sind.

Die Kandidaten

Im folgenden somit ein paar erste Eindrücke, völlig subjektiv, und vielleicht auch nicht immer fair. Zur Auswahl standen: Ubuntu 9.10 „Karmic Koala“ Alpha 4 Desktop amd64, FreeBSD 8.0 Beta 3 amd64, Fedora 12 Alpha x86_84, openSUSE 11.2 Milestone 6 x86_64, Mandriva Free Beta1 x86_64, Arch Linux 2009-08 und Linux Mint 7 in der KDE- sowie Standard-x86_64-Variante. Bei Arch Linux und Linux Mint handelte es sich hingegen um die Release-Varianten, welche jedoch ausreichend aktuelle Software bieten, um interessant genug zu tun. Und natürlich ist FreeBSD kein Linux, aber immerhin ein freies und unix-ähnliches Betriebssystem.

Ubuntu 9.10 „Karmic Koala“ Alpha 4 Desktop amd64

Bei Ubuntu war alles ganz einfach. Die Installation erfolgte problemlos in wenigen Minuten, ganz so, als wenn es sich nicht um eine alpha-Version handelte. Leider ist der Desktop noch immer in bräunlichen Erdtönen gehalten, die meinen Geschmack nicht wirklich treffen. Hier bleibt Hoffnung, dass die Bemühungen eines adäquaten Artwork Wurzeln schlagen und zum finalen Release eine Auswahl optisch ansprechender Themes bereit steht. Ansonsten ist an Ubuntu nichts auszusetzen. Die Einrichtung des WLAN-Zugangs verlief reibungslos, anschliessend konnte das Programm zur Aktualisierung starten und förderte bereits etliche neue Versionen auf die Platte. Alle für mich relevante Hardware wurde automatisch erkannt, dazu gehörten auch die spezifischen Thinkpad-Knöpfe. Insgesamt eine klare Empfehlung, nur am Design muss noch gefeilt werden.

FreeBSD 8.0 Beta 3 amd64

Auch FreeBSD liess sich problemlos installieren. Die Nomenklatur von Slices und Partitionen ist beim Umstieg von Linux zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, stellt aber keine grössere Hürde dar. Nur die WLAN-Karte wurde nicht automatisch erkannt. Möglicherweise wären Treiber vorhanden gewesen, aber trotz Lesens des teils sehr umfangreichesn FreeBSD-Manuals habe ich sie nicht auf Anhieb gefunden. Nachdem die Konfiguration von X Window System und des Desktops insgesamt noch einige Zeit in Anspruch genommen hätte, habe ich mich aufgrund des Treiber-Problems letztlich dagegen entschieden. Vielleicht versuche ich es beim nächsten Server erneut, möglicherweise kann FreeBSD seine Stärken dabei eher ausspielen.

Fedora 12 Alpha x86_84

Der Test von Fedora war sehr kurz, denn es blieb bei sämtlichen Versuchen einfach hängen. Gleichgültig mit welchen Optionen das Booten erfolgte, nach kurzer Zeit wurde das Display schwarz und es ging nicht weiter.

openSUSE 11.2 Milestone 6 x86_64

Die Installation von openSUSE war ähnlich einfach und problemlos wie bei Ubuntu. Als Desktop kommt KDE in der neuen Version 4.3 zum Einsatz. Die Hardware wurde erkannt, nach Eingabe des WPA2-Schlüssels war auch die Verbindung ins Internet hergestellt. Insgesamt war der Eindruck positiv, alles funktionierte wie erwartet. Fast alles. Denn openSUSE wollte sich aktualisieren, doch die entsprechenden Verzeichnisse auf den Repository-Servern wurden nicht gefunden, weil sie schlicht und einfach nicht vorhanden waren. Sicherlich ist dies dem Umstand der frühen Version geschuldet, dennoch war dies letztlich ein Kriterium, openSUSE nicht einzusetzen.

Mandriva Free Beta1 x86_64

Mandriva zeigte sich ähnlich wie Fedora – zwar erfolgte der Start des Installationsprogramms und auch die nachfolgende Installation war zunächst vielversprechend. Doch währenddessen blieb das System letztlich hängen. Nach einiger Zeit ging nichts mehr. Schade.

Arch Linux 2009-08

Arch Linux verfolgt ein interessantes, weil einfaches Konzept, verzichtet auf grafische Hilfen, ist kein Derivat einer anderen Distribution und damit sicherlich im Gegensatz zu den bereits genannten Mainstream-Distributionen der Exot in der Testrunde. Die Installation erfolgte problemlos, musste aber an einem stationären LAN stattfinden, da zwar die WLAN-Hardware erkannt wurde, aber zunächst keine Möglichkeit bestand, den WPA2-Schlüssel einzugeben. Das textbasierte Installationsprogramm erfüllte danach seine Aufgabe erfolgreich. Dennoch habe ich mich letztlich gegen Arch Linux entschieden. Es würde mich im Augenblick einfach zuviel Zeit kosten, mich mit den Besonderheiten der Distribution und nicht zu vergessen der Konfiguration jeglicher Programme auseinander zu setzen. Der Ansatz von Arch Linux ist mir hingegen sehr sympathisch, und möglicherweise wäre es auch eine Alternative für den Betrieb eines Servers.

Linux Mint 7

Linux Mint basiert auf Ubuntu, fügt jedoch einige eigene Programme und insbesondere ein sehr schickes Artwork hinzu. Allein deswegen kam es in die engere Wahl. Die x86_64-Variante blieb jedoch bei der Fortschrittsanzeige von 70% während der Installation stehen. Besser verlief die Installation der KDE-Version, diese konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Da jedoch KDE in der Version 4.2 vorlag, und auf anderen Repositories die Version 4.3 angeboten wurde, entschloss ich mich zum Update. Dies war leider ein Fehler. Denn danach wurde der Desktop zunächst nur teilweise geladen, das Panel fehlte und erst nachdem über einige Umwege eine Konsole gestartet werden konnte, waren die Probleme zu beheben. Nachdem ich alle vorherigen Konfigurationsdateien des Benutzers gelöscht hatte, wurde des Desktop wie gewohnt angezeigt. Leider folgte während der weiteren Tests ein Absturz, und insgesamt blieb der Eindruck eines etwas „unsauberen“ Systems, weshalb die Entscheidung gegen Linux Mint fiel.

Fazit

Der Gewinner dieses kleinen Tests ist Ubuntu. Trotz des frühen Alpha-Stadiums verlief alles so, wie ich es von früheren Versionen gewohnt bin. Wenn nur nicht dieses braune Farbschema inkl. Hintergrundbild wäre… Aber das lässt sich ändern, und deswegen habe ich mir bereits einige Pakete aus dem Linux Mint Repository heruntergeladen und werde das Desktop-Design damit ein wenig reizvoller gestalten. Das Auge isst bekanntlich mit.

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