Permanent temporär… …oder wenn Notlösungen zur Normalität werden

Wer kennt dies nicht? Schnell wird eine Web-Site hochgezogen, ein Prototyp, der nur für ein paar Tausend Nutzer ausreichen soll, wenn überhaupt. Plötzlich sind einige Hunderttausend online, und die Probleme sind sprichwörtlich vorprogrammiert. Ebenso schnell wird die Kapazität vergrößert, die eine oder andere neue Funktion erstellt, aber das Fundament bleibt dasselbe. 

Das sind typische Entwicklungsszenarien, auf die man immer wieder trifft. Letztlich bedeutet es, dass zu gegebener Zeit ein radikaler Schnitt stattfinden muss, der die Basis neu erstellt und dafür sorgt, dass die Plattform überhaupt eine Zukunft hat. Habe ich geschrieben „zu gegebener Zeit“? Genau. Damit fangen die Probleme erst an.

Doch betrifft diese Situation nicht nur die Programmierung. Beispielsweise ist meine Behausung inzwischen viel zu klein geworden. Die Bücher stapeln sich inzwischen nicht nur in den Schränken, sondern überall, auf dem Schreibtisch, auf dem Boden, vor der Heizung, neben diversen Jahrgängen c’t und iX, zwischen Bett und Nachttisch und so weiter. Der Fernseher ist schon lange nicht mehr in Benutzung, sondern vom iMac mit EyeTV verdrängt worden. Schränke? Nun, das Treppengeländer und der Flur nimmt bereits den größten Teil meiner Kleidung auf.

Die Lösung wäre, umzuziehen. Besser früher als später, besser jetzt als irgendwann. Ich habe gerade meinen Arbeitsvertrag um weitere zwei Jahre verlängert, insofern ist eine gewisse Sicherheit gegeben, ganz davon abgesehen, dass ich mir auch ein Beispiel an denjenigen nehmen könnte, die durchschnittlich zweimal pro Jahr umziehen. Und der finanzielle Aufwand ist auch eher als uninteressant zu betrachten.

Dennoch hält diese Notlösung jetzt schon einige Jahre. Schliesslich könnte mir morgen einfallen, eine Schafzucht in Irland zu eröffnen oder Tischler/Schreiner in Schweden zu werden. Oder nach Leipzig zu gehen, eine Stadt, in der ich mich bereits vor einiger Zeit sehr wohl gefühlt habe. Oder falls die Wirtschaftskrise auch den Bereich der Erstellung von Web-Anwendungen erreicht hat, diese Chance in irgend einer anderen Art und Weise zu nutzen. Das wird zwar alles nicht in den nächsten zwei Jahren passieren, aber man weiß ja nie…

Es darf nicht perfekt sein. Flexibilität zum Preis, mit einigen Unzulänglichkeiten zu leben. Und davon abgesehen bin ich meist in weniger als einer halben Stunde im Büro und noch ein paar Minuten schneller wieder zu Hause. Wenn man vom heutigen wirklich heftigen Stau absieht, der mich fast eineinhalb Stunden gekostet hat.

Also wann ist die „gegebene Zeit“? Und wann werden wir endlich erwachsen? Skaliert das Leben?

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