Cloud-Geschichten – Teil 2 – Alibaba und die 40 Services

Wie bereits im letzten Artikel angekündigt, werde ich mich nun mit den ersten Schritten in der Alibaba Cloud beschäftigen. Wie der Name nahe legt, gehört die Alibaba Cloud zum chinesischen Unternehmen Alibaba Group. Ähnlich wie bei Amazon liegen die Wurzeln des Unternehmens im elektronischen Handel. Neben den Handelsplattformen für Business-to-Business und Business-to-Customer breitet sich Alibaba jedoch immer weiter in andere Bereiche aus, vom Auktionshaus über Finanzdienstleistungen bis hin zum Kartendienst und in die Medienwelt. Kurzum – die Alibaba Group gehört inzwischen zu den echten Schwergewichten in der Unternehmenswelt, wenngleich sie hierzulande noch nicht die Bekanntheit erreicht hat wie im asiatischen Raum. Der Geschäftsbereich für globale Cloud-Dienstleistungen nennt sich demzufolge sinnigerweise Alibaba Cloud und bietet weit mehr als die genannten 40 Services an, je nach Zählweise sind es doppelt so viele. Vielleicht ist dem einen oder anderen der Schriftzug bei den Olympischen Winterspielen 2018 aufgefallen, Alibaba Cloud tritt hier als “Worldwide Cloud Services Partner” auf. Ähnlich wie bei anderen Cloud-Dienstleistern bietet Alibaba Cloud ein kostenloses Kontingent im Wert von 300$ für persönliche Accounts bzw. 1200$ für Unternehmens-Accounts an, mit denen sich die angebotenen Dienste testen lassen.

Eine kleine Einschränkung gibt es jedoch, denn die genannten Beträge sind nicht beliebig verteilbar. Beispielsweise stehen für den von mir näher unter die Lupe genommenen Dienst Object Storage Service (OSS) nur gerade einmal fünf US-Dollar zur Verfügung. Dasselbe gilt für andere Dienste, so lassen sich virtuelle Server, Datenbanken etc. jeweils im Wert von einem kleinen Dollar-Betrag kostenlos testen. Andere Dienste sind jedoch dauerhaft kostenfrei, auch hier unterscheidet sich die Alibaba Cloud nicht von anderen Dienstleistern, so sind etwa Container Registry, Container Service etc. dauerhaft kostenfrei, weil deren Einsatz nur sinnvoll ist, wenn man einen oder mehrere virtuelle Server im Rahmen des Elastic Compute Service (ECS) o.ä. betreibt. Diese Services werden natürlich berechnet.

Darüber hinaus gibt es für einige Dienste wiederum ein kleines, dauerhaft kostenloses Kontingent, doch wie bei allen Cloud-Services ist die Preisstruktur zunächst einmal recht komplex. Bei OSS beispielsweise teilt es sich in Speicherplatz, Datentransfer und Anzahl der API-Requests auf. Ohne genaue vorherige Analyse oder zumindest detaillierter Überwachung kann die Nutzung von Cloud-Services somit einige Überraschungen mit sich bringen. Das gilt analog für alle Cloud-Dienstleister, nicht nur für die Alibaba Cloud. Dennoch können die Cloud-Services günstig sein, wenn beispielsweise die Abrechnung nach Nutzungsdauer, Traffic o.ä. erfolgt und für den Fall geringen “Verbrauchs” keine hohen Fixkosten mit sich bringt. Diese Flexibilität spricht somit für die Nutzung von Cloud-Dienstleistern.

Meine Motivation bestand jedoch eher darin, Alibaba Cloud im Vergleich zu Amazon AWS, Google Cloud Platform oder Microsoft Azure einmal kennenlernen zu wollen. Denn die angebotenen Dienste klingen vielversprechend, das Portfolio ist absolut vergleichbar mit den genannten Unternehmen, dazu gehört auch, dass die Infrastruktur nicht nur auf den asiatischen Raum beschränkt, sondern seit 2016 auch mit einer Präsenz in Frankfurt beheimatet ist – laut Berichten handelt es sich um Räumlichkeiten im Vodafone-Rechenzentrum. Wobei dies – erneut analog zu anderen Cloud-Services – nicht für alle angebotenen Dienste gilt, für den E-Mail-Service namens DirectMail musste ich auf Singapur ausweichen. Das Ziel war jedoch nicht, alle Dienste einmal schnell auszuprobieren, sondern bestand darin, die von Hugo generierten, statischen Webseiten günstig, schnell und skalierbar ins Netz zu bringen. Das sollte ergänzt werden durch irgend eine Möglichkeit, zumindest ein minimales Feedback-Formular zu nutzen, und zwar ebenfalls mit nativen Cloud-Diensten und nicht “nur” mit einer virtuellen Maschine im Rahmen von ECS, auf der dann ganz klassisch ein Webserver mit PHP o.ä. installiert hätte werden müssen. Dazu aber mehr in einem der nächsten Teile. Noch ein Wort vorab – die Dokumentation der Alibaba Cloud allgemein, aber natürlich auch der einzelnen Dienste würde ich als sehr gut bezeichnen. Ich empfand sie als angenehm, klar verständlich, gut strukturiert und sehr ausführlich, wobei sie auch stetig ergänzt wird. Die Sprache ist durchgängig Englisch, was ich persönlich besser finde, als wenn wie bei anderen, hier nicht näher bezeichneten Anbietern, mal eine Seite auf Deutsch erscheint, auf anderen dann wieder zu lesen ist, dass diese spezielle Seite noch nicht übersetzt wurde und daher der Fallback auf Englisch erfolgt, während andere Seiten mitunter sogar maschinell übersetzt wurden, was teilweise wirklich prima funktioniert, manchmal jedoch eher belustigend wirkt. Und bevor ich’s vergesse – eine Anmerkung vorweg, ich habe außer dem genannten Kontingent, das jeder Neuanmeldung zur Verfügung steht, natürlich keinerlei finanzielle Zuwendung von Alibaba Cloud erhalten. Leider, möchte man sagen, aber so kann ich unabhängig bleiben und nicht nur Lob vergeben, sondern insbesondere auch die Aspekte nennen, die mir nicht gefallen.

Nach langer Vorrede nun endlich in die Praxis, denn am Anfang steht die Registrierung. Diese erfolgt wie gewohnt und ist sogar in deutscher Sprache verfügbar, wobei der folgende Screenshot den aktuellen Stand zur Zeit der Erstellung dieses Artikels zeigt, während ich die darauf folgenden zum Zeitpunkt meiner tatsächlichen Registrierung gespeichert habe.

Nach der Eingabe der Basisdaten erfolgt die Wahl der Art des Accounts, hier wird unterschieden zwischen einem persönlichen Account und der Registrierung eines Unternehmens.

Nach der Eingabe der Kontaktdaten folgen die Zahlungsdaten.

Praktischerweise sieht Alibaba Cloud auch die Möglichkeit vor, mit PayPal bezahlen zu können, was ich persönlich angenehm finde, da PayPal bereits Kenntnis über meine Kreditkarten- und Kontodaten besitzt und ich diese Alibaba nicht offenbaren muss.

Das war es auch schon.

Mitunter schimmert die chinesische Herkunft jedoch noch durch – so sah die Bestätigungsmail im Original wie folgt aus.

Ok… Da mein Chinesisch noch eingerosteter ist als mein Russisch, hier die maschinelle Übersetzung.

Immerhin war dies in etwa genauso verständlich wie die Übersetzung manch einer Bedienungsanleitung… Hinweis: Möglicherweise ist die Bestätigungsmail auch bereits vor der Angabe der Zahlungsmethode verschickt worden, tatsächlich kann ich dies jetzt nicht mehr ganz genau nachvollziehen, da die Registrierung an dieser Stelle ein wenig hakelig war. Tatsächlich erhielt ich danach zwei Mails zur Eingabe eines Codes zur Verifizierung, somit hat dies erst beim zweiten Versuch funktioniert. Die übrige Einrichtung verlief jedoch problemlos.

Alibaba Cloud bietet auch die Nutzung der Zwei-Faktor-Authentifizierung an, entweder wird der Code per SMS verschickt oder man bedient sich der Google-Authenticator-App.

Hierbei habe ich es wiederum als praktisch empfunden, dass sich die Art des Schutzes einstellen lässt, und zwar kann man wählen zwischen Eingabe des Codes bei jedem Login und/oder bei Änderung der Account-Informationen.

Dazu sei gesagt, dass die Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentifizierung erst in der Admin-UI möglich ist, d.h. nach einem ersten erfolgreichen Login-Vorgang.

Der Login sieht nicht weiter überraschend aus:

Nach dem Login befindet man sich in der Admin-UI, die auch gerne als “Console” bezeichnet wird, d.h. der Link “Console” führt genau hierhin.

Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Services kann sich durchaus sehen lassen. Diejenigen Dienste, die mit einem Sternchen markiert sind, finden sich in der Spalte links als “Lesezeichen” bzw. Shortcut wieder. Diese Spalte ist konfigurierbar, so dass man diejenigen Produkte, die man häufig verwendet, schneller erreichen kann.

Die Alibaba Cloud begrüsst den neuen User anschließend mit einer kleinen Tour und stellt die einzelnen Bereiche kurz vor.

Die Kosten sollte man immer im Blick haben…

Übersicht der gebuchten Dienste:

Und rechts befindet sich eine Informations-Spalte mit Angaben über neue Angebote, Dokumentation, usw..

Wie leicht zu erkennen, ist die Sprache der Admin-UI (Console) eine Mischung zwischen Deutsch und Englisch. Befindet man sich innerhalb der Console und ist die englische Sprache voreingestellt, lässt sich nicht auf Deutsch wechseln. Ist man eingeloggt mit deutscher Sprache, kann man hingegen mit Hilfe des Menüs rechts oben neben dem Benutzer-Icon auf englisch oder chinesisch wechseln. Hier ist die Bedienung insofern ein wenig inkonsistent. Falls man unbedingt die deutschen Spracheinstellungen nutzen möchte, so lässt sich dies auf der Login-Seite aktivieren. Ich empfehle es übrigens nicht – zwar hat sich Alibaba Cloud durchaus Mühe gegeben, aber wie ich im nächsten Artikel zeigen werde, gibt es nicht nur Inkonsistenzen in der Anzeige, sondern auch weitere unerfreuliche Effekte, die die Console teilweise unbenutzbar werden lassen. Dazu aber später mehr.

Nach diesem Bilderbuch der ersten Schritte wird im nächsten Teil der Object Storage Service (OSS), ein einfach benutzbarer, skalierbarer, sicherer, kosteneffizienter, verschlüsselter, Objektspeicher vorgestellt. Zugegebenermaßen, diese Ansammlung von Buzzwords ist mehr oder minder übersetzt aus der Produktseite zu OSS. Interessanterweise erwähnt Alibaba Cloud übrigens nicht, dass OSS größtenteils kompatibel zu AWS S3 von Amazon ist. Damit lassen sich somit diverse S3-Clients ganz einfach mit OSS verwenden. Mein Ziel war somit einerseits ein Test dieses Features, andererseits, die statischen, mit Hugo generierten Seiten ins Netz zu bringen. Zwar gibt es noch weitaus mehr Anwendungsszenarien für den Einsatz von OSS, aber ich wollte ein Beispiel aus der Realität zeigen. Dazu mehr im nächsten Teil…

 

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